Eine von den schönen Hinterlassenschaften der sozialistischen Sowjetunion: Kindermusikschulen, in denen sich fähige Musikpädagogen mit Hingabe um den kulturellen Nachwuchs des Landes kümmern. Selbst im kapitalistischen Russland noch für jedermann erschwinglich: Ganze 200 Rubel (5,40 Euro) kostet der Schulbesuch im Monat. Reichlich Blumen und Pralinen als Dank an die Lehrerinnen am Schuljahresende gehen da gerne extra.

Das hat hier keiner erwartet: Die Russische Akademie der Wissenschaften hat gestern den deutschen Ex-Kanzler Dr. Gerhard Schröder für den Bereich Gesellschaftswissenschaften zu Ihrem Mitglied gewählt. Ein peinlicher Eklat, nicht nur, weil gerade diese Akademie-Abteilung als globale Vordenkerin für den Bereich wissenschaftlicher Sozialismus leninscher Prägung gelten darf, sondern weil ein anderer hoch gehandelter enger Putin-Vertrauter, der Leiter des Kurtschatow-Instituts, Michail Kowaltschuk (Михаил Ковальчук), womöglich deswegen leer ausging. Wer nun gleich an einen Kuhhandel denkt, nur weil Premier Putin unmittelbar nach der Wahl Schröders der Akademie Forschungsgelder in Höhe von 600 Milliarden Rubel (16 Mrd. Euro) in Aussicht stellte, liegt wahrscheinlich ebenso falsch wie die, die bis auf die kürzlich veröffentlichten Memoiren beim besten Willen keinen Beitrag Gerhard Schröders zur Entwicklung der russischen Gesellschaftswissenschaft wahrgenommen haben wollen.

Höchste Alarmstufe in Moskau am "Tag der Grenztruppen". Tausende Milizionäre und zusätzlich zusammengezogene Truppen des Innenministeriums versuchen, die alljährliche Randale hunderter bis zum Stehkragen volltrunkener Angehöriger der russischen Grenztruppen in der Moskauer City unter Kontrolle zu halten. Wodka und Baden in den öffentlichen Anlagen der Hauptstadt sind die Hauptbestandteile dieses "Ehrentages" in der Interpretation seiner Akteure, die pöbelnd, grölend und kotzend alle beliebten Sehenswürdigkeiten der Stadt belagern. Abstoßende Facette einer "heldenhaften" russischen Armee, die eben noch ihre Besten für Ruhm und Ehre Großrusslands über den Roten Platz paradieren ließ.

Warum gerade jetzt diese Diskussion, wo die "Linken" im Aufwind und dabei sind, die SPD in der Mitte durchzureißen. Wenn Deutschland wirklich ein Rechtsstaat wäre, dann dürften all diese Anwürfe gegen Gysi doch nur nach einem rechtskräftigen Urteil eines ordentlichen Gerichtes öffentlich verwendet werden. Die unsägliche Bundestagsdebatte, in der sich die Hinterbänkler der etablierten Parteien, die sich vor Wochenfrist gerade noch mehr Kohle in die eigenen Taschen stopfen wollten, auch mal öffentlich auskotzen durften, war beschämend und heuchlerisch und wird zu noch mehr Politikverdruss in Deutschland führen. Frau Birthler gehört frühverrentet und die Behörde unter öffentliche Kontrolle. Sie ist jetzt bereits so unkontrolliert und mächtig wie ein Geheimdienst. Eine neue Stasi, nur subtiler. Sie führt zuende, was die damals nicht geschafft haben. Vielleicht holt sich die deutsche demokratische Elite einfach mal einen Rat bei dem in Deutschland so hoch angesehenen KGB-Obersten Putin, wie denn der große Partner im Osten heute mit diesem Thema umgeht. Wo ist eigentlich Putins Stasi-Akte?
Alarm auf Malaja Grusinskaja - Die Ärzte geben ihr erstes Konzert in Russland. Die Premiere findet im Apelsinclub statt vor 500 Leuten, vielleicht mehr. Für die echte Ärzte-Stimmung sorgt die Moskauer deutsche Jung-Community; gut die Hälfte des Publikums, schätze ich, sind Expats aus Deutschland. Der Saal scheppert, wenn sie die Klassiker mitgrölen.
Aber auch ein paar Touris sind unter den Fans, im Stil der Jugendtouristreisegruppen von früher. "Guck ma, die da" und "Wo is'n deine Russin hin?" oder "Piwo musste sagen, wenn de 'n Bier willst". Ein bisschen rumfummeln an der Barbekanntschaft und weltgewandte Kommunikation: "In Germany they play in Stadions".
Professionelle Show mit miesem Sound und den unvermeidlichen Stage-Divern. Untentwegt stürzen sich Leute von der Bühne in die Massen. Meine Musik, aber irgendwie nicht mein Publikum. Trotzdem danke Farin, Bela, Rodrigo!
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